Der heute unter dem Namen Judo bekannte Sport sollte richtigerweise Kodokan-Judo genannt werden. Kodokan-Judo basiert auf dem traditionellen Ju-Jitsu des alten Japan. Die früheren Techniken wurden verfeinert, systematisiert und zu einem Ideal verschweisst.
 

Am 28. Oktober 1860 wird in Mikage (nahe Kobe) Kano Jigoro als dritter Sohn von Kano Jirosako und seiner Frau Sadako geboren. Im Jahre 1871 zieht die Familie nach Tokyo um wo Kano 1977 bei Meister Fukuda Hachinosuke das Ju-Jitsu-Training aufnahm. Er lernte vorwiegend Atemi-waza (Schläge und Tritte) und Katame-waza (Haltetechniken).  Unter  Meister  Iikubo Tsunetoshi  studierte  er ab 1881 im  „Kito-ryu“  Nagewaza (Wurftechniken).  Im Mai 1882 richtete Kano sein erstes eigenes Dojo (Übungshalle) im Eisho-Tempel ein.  Er nannte sein System „Kodokan - Judo“, Judo, das im Kodokan (Halle zum Studium des Weges) gelehrt wird. Selber sagte er: „Was ich lehre ist Ju-Jitsu aber es ist „DO“ (Weg oder Prinzip), worauf ich besonderen Wert legen möchte“. Im Jahre 1909 wurde Kano Mitglied des Internationalen Olympischen Kommitees (IOC). Dank steigender Popularität des Judo und grösserem Platzbedarf musste der Kodokan insgesamt sieben Mal umziehen. Am 4. Mai 1938 erlag Jigoro Kano an Bord eines japanischen Schiffes einer Lungenentzündung. Er befand sich auf dem Rückweg nach Kairo.

Im Jahre 1964 wurde Judo Olympische Disziplin. Im gleichen Jahr erkämpfte sich der Schweizer Eric Hänni bei den Olympischen Spielen in Tokyo die Silbermedaille. 16 Jahre später doppelte Jürg Röthlisberger in Moskau nach und errang die bisher einzige Gold-medaille an den Spielen für die Schweiz. Seither konnten sich verschiedene Athletinnen und Athleten Edelmetall an Welt- und Europa-meisterschaften sichern. So durfte sich der mehrfache Gallusturnier-Teilnehmer Eric Born aus Kreuzlingen 1990 und 1991 als Europameister und 1993 als Vizeweltmeister feiern lassen. Born trainierte zu jener Zeit u.a. auch teilweise beim Judo Club St. Gallen und darauf sind die St. Galler heute noch etwas stolz... Zurzeit ist Serge Aschwanden mit mehreren gewonnen Medaillen an Europa- und Weltmeisterschaften erfolgreichster noch aktiver Judoka der Schweiz.

Das moderne Judo hat vielerlei Ausprägungen, mit denen es in den Vereinen betrieben wird. In der Schweiz kann man Judo als Sport und Spiel für Kinder und Jugendliche erlernen, als Leistungs- oder Hochleistungssport betreiben oder als waffenlose Selbstver-teidigung ausüben. Viele Jugendliche und Erwachsene sehen in Judo eine faszinierende Freizeitbeschäftigung mit der Möglichkeit, auch philosophischen Kontakt zu den Geheimnissen Asiens herstellen zu können. Judo ist ein Weg der zeigt, wie man seine körperlichen und geistigen Kräfte am wirkungsvollsten einsetzt. Ein System bei dem Höflichkeit, Einsatzbereitschaft, Mut, Phantasie und Durchhaltevermögen verlangt werden.

Judo ist heute der weltweit am meistbetriebene Zweikampfsport überhaupt. Mehr als 10 Millionen Menschen in über 140 Ländern der Erde betreiben Kodokan-Judo.

Quelle: „Judo-Manual“, Otto Fend, Solothurn 1999